Links von mir lümmelt sich ein philippinischer Bengel auf Sitz 49A, rechts von mir hat sich die einzige dicke philippinische Frau in den Sitz 49C gepresst und ich sitze in der Mitte auf Platz 49B. Der Junge hat ein nervöses Bein und als wäre das nicht schlimm genug, er hat auch zwei nervöse Hände. Verzweifelt klopft er mit seinen Fingern auf dem kleinen Bildschirm vor ihm herum, während seine Beine unrhythmisch zum Takt der Musik wippen, die brüllend laut aus seinen Kopfhörern dröhnt. Er sitzt keine 3 Sekunden lang still, zappelt ständig herum und reibt sich an mir. Die fette Frau rechts von mir legt mir ihr Kissen und ihre Decke auf den Schoß und verteidigt ihre Armlehne genauso vehement wie der elende Zappelphilipp. Ich sage nichts, ich sitze da und hoffe das die Beiden beim Zwischenstopp in Clark aussteigen werden. Der Junge legt seinen Kopf an meine Schulter, aber er hält ja nie lange seine Position, weswegen ich mir keine Sorgen mache. Während er seinen Kopf gegen den Bildschirm krachen lässt, klappt die dicke Madame die Armlehne zwischen uns hoch. Diese Armlehne ist das letzte Stück Zivilisation in diesem Flugzeug, das einzige Bollwerk zwischen mir und ihr. Die linke Armlehne kann ich ab und zu erobern, wenn der Junge zappelt, lege ich schnell meinen Arm drauf. Die rechte Armlehne jedoch hatte sie verteidigt und genau die ist nun nicht mehr da. Sie drückt mich auf meine Hälfte meines Sessels und behauptete ihre Hälfte mit Inbrunst. Ich wünsche mir ihren Ellenbogen zurück, den sie in meine Rippen bohrte, als meine geliebte Armlehne noch dort war, wo sie hingehört.

Ich zähle die Sekunden, lausche dem Knistern der Philippinos, höre sie um mich herum schmatzen und schnalzen, als gehe es darum, wer am lautesten schmatzen und schnalzen kann. Endlich naht die Landung, es wird ruhig im Flieger, die Armlehne ist wieder unten und der Ellenbogen der dicken frau bohrt sich wieder in meine Rippen. Wie schön. Die Räder setzen auf, links neben mir höre ich ein Klicken und bevor die Bugräder den Boden berühren springt der Bastard neben mir auf und möchte an das Gepäckfach. Ich bringe ihn dazu sich hinzusetzen, was ihm sichtlich schwerfällt. Das Flugzeug rollt noch 5 Minuten bis zum Terminal, er springt gefühlte 50-mal auf, worauf hin ich ihm immer wieder das Anschnallzeichen zeige, dessen Funktion ihm nicht einleuchtet, obwohl es leuchtet. Wir rollen immer noch und jetzt steht auch die Frau neben mir auf. Aber nicht, weil sie aussteigen möchte, sie möchte sich nur lang machen und den anderen Philippinen im Weg stehen, die schon die Gänge verstopfen. Endlose Minuten später, rollt der Flieger aus und ich lasse auch den Lümmel in den Gang hüpfen.

Die dicke Frau setzt sich wieder, ich muss sie scheinbar bis Dubai ertragen. Höflich frage ich sie, was sie denn für meinen halben Platz bezahlen möchte, da sie ihn ja schon benutzen würde. Sie erklärt mir, dass sie eine große Frau ist und dadurch ein Anrecht auf meinen Platz habe, dass es ein Philippino war, der das Flugzeug erfunden hat und ich als Ausländer wohl verrückt sein muss, wenn ich ihr nicht den Platz zugestehe, der ihr gebührt. Dabei wird sie immer lauter, so dass es auch der Letzte im Flugzeug noch hören kann. Der Stewart kommt gelaufen, das wird ja auch Zeit. Sie springt auf und schreit nun noch lauter, sie könne nicht mehr neben mir sitzen, ich sei ein unzivilisierter Mensch, ein ungebildetes Schwein. Sie zeigt mir den Fickfinger und redet auf den Steward ein. Er fragt mich nach meiner Meinung, die ich ihm erzähle und dass ich nicht bereit bin, meinen Sitz zu teilen. Er droht damit mich aus dem Flieger zu entfernen und erklärt, dass es nicht einen einzigen freien Platz mehr im Flugzeug geben würde. Die fette Frau heult und schluchzt, schreit durchs Flugzeug, das sie das erste Mal allein, ganz ohne ihren Mann fliegen würde und sie beschimpft mich weiter. Ein zweites Mal, wird mir vom Steward erklärt, dass sie mich rausschmeißen, wenn ich ein Drama mache. Ich sage ihm, das ich ein genauso braver Mann wie er sei, ich niemals Drama mache und schon gar nicht im Flugzeug damit anfangen werde. Keine Ahnung, wo sie die dicke Frau hinbringen, ich habe für die nächsten neun Stunden bis Dubai drei Sitzplätze für mich und kann mich lang machen.

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